Was sind die Schwestern der perpetuellen Indulgenz

Unser Orden bezeichnet sich selbst nicht als religiöse Kirche, sondern nutzt Symbolik und Rituale, um Akzeptanz, Solidarität und sichtbare Präsenz für queere Lebensweisen zu schaffen und gesellschaftliche Stigmata zu hinterfragen.
In Berlin besteht diese Gemeinschaft seit Anfang der 1990er-Jahre und ist heute als eingetragener Verein organisiert. Unser Engagement ist ehrenamtlich und gemeinnützig: Wir stehen für Aufklärung zu HIV, AIDS und sexuell übertragbaren Infektionen, verteilen Safer-Sex-Materialien, sammeln Spenden für Community-Projekte und unterstützen Menschen, die von Ausgrenzung betroffen sind. Öffentlich treten wir bei Festen, Christopher Street Day-Veranstaltungen, Demonstrationen und Community-Events auf und schaffen dort Raum für Austausch, Information und Sichtbarkeit.
Unsere Mission
Wir wollen universelle Freude verbreiten und stigmatisierende Schuld tilgen mit einem offenen Ohr für Menschen, die auf gesellschaftliche Ablehnung oder Diskriminierung stoßen, und mit praktischen Angeboten zur Prävention und gegenseitigen Unterstützung.
Mitgliedschaft und Grade
Unser Orden kennt mehrere Mitgliedsgrade und Rollen. Diese sind keine bloßen Titel, sondern markieren Entwicklungs- und Verantwortungsstufen innerhalb der Gemeinschaft:
Aspirant*innen
Personen, die sich erstmals mit dem Orden beschäftigen, an Treffen und Aktivitäten teilnehmen und herausfinden wollen, ob sie sich langfristig engagieren möchten.
Postulant*innen
Aspirant*innen, die der Gemeinschaft offiziell beitreten wollen und den strukturierten Weg der Ausbildung begonnen haben. Postulantinnen sind bereits aktiv eingebunden, tragen jedoch noch keine volle Ordenskleidung.
Noviz*innen (Novitiat)
Nach einer positiven Aufnahme und einem Ausbildungszeitraum werden Postulant*innen zu Novizinnen. In dieser Phase steigen sie tiefer in die Arbeit ein, planen und begleiten Projekte, lernen praktische Aspekte der Gemeinschaftsarbeit und tragen oft erste sichtbare Verantwortung.
Schwestern
Dies ist die volle Ordensmitgliedschaft. Nach Abschluss der Ausbildungs- und Noviziatszeit werden Noviz*innen zu Schwestern geweiht. Schwestern tragen das weiß geschminkte Gesicht und die traditionelle Ordenstracht, haben Mitspracherecht in Entscheidungen und übernehmen organisierte Aufgaben bei Veranstaltungen und Projekten.
Gardisten
Gardisten sind ebenso voll dazugehörige Mitglieder, die die Schwestern unterstützen. Traditionell werden Gardisten als männliche oder nicht-weibliche Ordensmitglieder bezeichnet; ihre Rolle ist eng verbunden mit Organisation, logistischer Assistenz und Repräsentation des Hauses.
Ordensdamen (Ehrenmitgliedschaft)
Personen, die sich besonders um den Orden verdient gemacht haben, können als Ordensdame ehrenhalber benannt werden. Diese Ehrenmitgliedschaft ist eine Wertschätzung für geleistete Unterstützung oder langjähriges Engagement – sie ist kein formaler Ausbildungsweg, sondern eine Anerkennung.
Fördermitglieder (Selige Unterstützer*innen)
Fördermitglieder, im Orden als „Selige Unterstützer*innen“ bezeichnet, begleiten die Arbeit ideell und finanziell, ohne den Weg der aktiven Mitgliedschaft zu gehen.
Sie tragen dazu bei, dass Präventionsmaterialien bereitgestellt, Veranstaltungen organisiert und Community-Projekte unterstützt werden können. Regelmäßige Beiträge schaffen Planungssicherheit und sichern die kontinuierliche Aufklärungsarbeit.
Die Bezeichnung „Selige“ steht für Anerkennung und Verbundenheit innerhalb der Ordensgemeinschaft – als unterstützende Kraft im Hintergrund, die Verantwortung mitträgt.
Wie wir arbeiten
Unsere Arbeit ist gemeinschaftlich organisiert. Entscheidungen werden in Treffen und Gremien besprochen, und neue Mitglieder durchlaufen klare Ausbildungs- und Integrationsphasen, bevor sie volle Verantwortung übernehmen. Dabei geht es nicht um Hierarchien, sondern um Vertrauen, Verantwortung und kontinuierliche Beteiligung.
Unser Erscheinungsbild mag auf den ersten Blick spielerisch oder provokativ wirken. Dahinter stehen jedoch klare Werte und ein ernsthafter sozialer Auftrag: Sichtbarkeit schaffen, aufklären, unterstützen und Räume öffnen – für Menschen, die zu oft ausgeschlossen oder missverstanden werden.